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Kompost, das heisse Thema

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Man mag meinen, “Kompost” sei bei Weitem nicht so ein heisses Thema, dass man eine ganze Woche darüber nachdenken müsste, was dazu zu sagen sei. Es ist auch nicht so, dass ich gewartet hätte, bis mein Komposthaufen im Garten heiss geworden ist. Nein, es ist aus anderen Gründen ein heisses Thema. Und das fing so an:

Bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele hat China eindrücklich das Alter seiner Kultur zur Schau gestellt. Ein Aspekt der chinesischen Kultur ist mir jedoch etwas zu kurz gekommen: China´s Landwirtschaft.

China hat in seiner mehrtausendjährigen Kultur die Böden weitgehend fruchtbar erhalten. Die USA haben es immerhin geschafft, innert wenigen hundert Jahren fruchtbare Böden in Wüsten zu verwandeln. Ein offenes Geheimnis chinesischer Landwirtschaft ist die Kompostierung. Schon vor hundert Jahren hat F. H. King ein eindrückliches Buch darüber geschrieben: 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan. Vor hundert Jahren war der chinesische Landbau wohl noch weitgehend intakt. In der heutigen Zeit treffen die Lobeshymnen wohl nicht mehr in dem Masse zu.

Doch zurück zum Kompost: Das Besondere am Kompost ist, dass die Kleinlebewesen komplexe organische Stoffe in kleinere, weniger komplexe Stoffe zerlegen (dabei wird Energie frei, der Kompost wird warm) um sie dann zusammen mit mineralischen Stoffen, insbesondere Tonmineralien, zu Ton-Humus-Komplexen verbauen. Das bewirkt, dass Pflanzennährstoffe zwischen den Schichten des Tonminerals eingelagert werden, dort nicht ausgewaschen werden, aber für die Pflanzen verfügbar sind (um es in einem Satz zu sagen). Und nach genau diesem Prinzip hat China seine Böden über Jahrtausende fruchtbar erhalten.

Die moderne Landwirtschaft geht einen anderen Weg: Hier werden den Pflanzen Nährstoffe in leicht löslicher Form zur Verfügung gestellt, durch “Dünger”. Diese Dünger sind rein mineralisch-chemische Verbindungen. Sie werden nicht in Ton-Humus-Komplexen eingelagert, sondern lösen sich im Bodenwasser und sind während einer kurzen Zeit für die Pflanzenwurzeln verfügbar. Der Boden hat nur noch die Funktion eines Trägerstoffes für das Bodenwasser und eine mechanische Stabilisierung der Pflanze. Deswegen müssen die modernen Bauern immer düngen. Es ist schon irgendwie lustig, wenn man sieht, dass die Bauern Stickstoff in mineralischer Form auf die Felder streuen, obwohl unsere Atmosphere zu 78% aus Stickstoff besteht und es viele Pflanzen gibt, die den Luftstickstoff aufnehmen und im Boden als “Depot” einlagern. Es ist etwa so. als würde man Wasser ins Meer pumpen, damit die Fische besser überleben.

Es ist natürlich so, dass der Stickstoff den Pflanzen in einer leicht löslichen Form zur Verfügung gestellt wird, so dass die Pflanzenwurzeln ihn quasi aufnehmen “müssen”. Deswegen sind im Frühjahr manche Felder früher grün als andere. Und manche Salate grösser als andere. Wenn Sie nur Fett und Zucker zu sich nehmen, werden Sie auch schnell grösser…

Aber wieder zurück zum Kompost: Die in den Ton-Humus-Komplexen eingelagerten Nährstoffe müssen die Pflanzenwurzeln durch eigene Anstrengung herauslösen. Dabei erzeugen die Wurzeln in Zusammenarbeit mit dem Bodenwasser einen osmotischen Druck (oder eher Sog) und lösen die Nährstoffe, die sie je nach Entwicklung brauchen, aus dem Boden. Eine uralte Geschichte. Und sie funktioniert.

Wenn man jetzt los laufen möchte um ein paar Säcke Kompost für den eigenen Garten zu kaufen, möchte ich zu bedenken geben, dass die seit einigen Jahren industriell hergestellten “Komposte” weitgehend nur organische Stoffe enthalten. Bei den Kompostwerken wurde leider vergessen, dass ein Ton-Humus-Komplex auch die mineralische Komponente, den Ton braucht. Die Kompostwerke schütten nämlich nur gehäckseltes organisches Material auf einen Haufen und lassen es von Strahlenpilzen zersetzen. Dadurch werden zwar die organischen Bestandteile weitgehend aufgespalten, aber sie liegen wieder in einer relativ leicht löslichen, also auswaschbaren Form vor und nicht in einer stabilisierten Form wie beim Ton-Humus-Komplex.

Es scheint, es wird noch einige Epochen dauern, bis die westliche Landwirtschaft der chinesischen das Wasser reichen kann…

P.S. Was dazu noch zu sagen wäre, können Sie sich denken oder als Kommentar schreiben.